Vertrauen
Vertrauen ist eine menschliche Einstellung, die sich gedanklich, gefühlsmäßig und schließlich im Verhalten manifestiert.
Vertrauen beeinflußt und steuert unser Verhalten und Agieren maßgeblich; es befähigt uns dazu, unser Handeln zu planen, denn wenn man jemandem vertraut, glaubt man zu wissen, wie sich dieser Aktionspartner verhält, bzw. man erwartet Wohlwollen.
Ganz ohne Vertrauen, diesem zentralen menschlichen Charakteristikum, ist soziale Interaktion kaum vorstellbar. Dabei ermöglicht und erleichtert es nicht lediglich Beziehungen zu unseren Mitmenschen, sondern auch zu größeren sozialen Systemen, wie etwa dem Kindergarten, der Schule oder der Politik.
Vertrauen reduziert die Vielzahl potentiell möglicher Handlungsausgänge bzw. –alternativen auf einige wenige; dadurch wird das Individuum bzw. ein soziales System überhaupt erst handlungsfähig.
Wie entsteht Vertrauen?
Das Entstehen von Vertrauen bedarf einer gewissen Beziehungsdauer – tatsächlich erlebtes Vertrauen entwickelt sich „nach dem Prinzip der kleinen Schritte“: Die Interaktionspartner testen gegenseitig ihre Vertrauenswürdigkeit. Dies geschieht beispielsweise bei der Entstehung von Freundschaften oder intimen Partnerschaften, deren Intensität sich im Zuge einer allmählichen gegenseitigen Annäherung und Selbstöffnung steigert.
Vertrauen zu entwickeln kostet nicht nur Zeit, es ist stets auch mit dem Risiko verbunden, enttäuscht zu werden. Das Risiko ist hierbei in der Regel größer als der Nutzen, den der Vertrauende hat, wenn sein Vertrauen nicht enttäuscht wird.
Ein weiteres zentrales Merkmal des Vertrauens ist die Gegenseitigkeit (Reziprozität):
Der Vertrauende erwartet, dass sein Interaktionspartner ebenfalls investiert.
Das Erkennen, dass der Interaktionspartner Vertrauen investiert kann letztendlich nur über realisierte Vertrauenshandlungen erfolgen: Wenn mein gegenüber beispielsweise persönliche Dinge preisgibt, die ihm schaden könnten, lässt sich dies als Vertrauenshandlung auffassen, weil er / sie damit sein / ihr Vertrauen zeigt.
In so genannten symmetrischen Beziehungen wie etwa Partnerschaften oder Freundschaften wird Vertrauen vielfach über Vertrauenshandlungen realisiert und gefestigt, auf professionelle Beziehungen lässt sich dies allerdings nicht direkt übertragen.
Die Fähigkeit zu vertrauen hängt mit der Ausprägung des Selbstvertrauens und damit auch mit der Identitätsentwicklung zusammen. Vertrauen korreliert mit einer optimistischen Lebenseinstellung, was wiederum zu physischem und psychischem Wohlbefinden führt.
Vertrauen im Berufsleben
Das Vertrauen von Mitarbeitern in ihr Unternehmen bzw. ihre Organisation (wobei diese in der Regel durch den Vorgesetzten repräsentiert wird) führt zu einer Reihe von positiven Effekten:
Die Arbeitsmotivation und –zufriedenheit erhöht sich, Arbeitsabläufe werden effizienter. Die Mitarbeiter identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen und die Kommunikationsabläufe verbessern sich -vor allem dadurch, dass Informationen offener und ungefilterter weitergegeben werden.
Vertrauen stellt von daher gerade in Zeiten gesellschaftlichen und organisatorischen Wandels einen immensen Innovationsvorteil dar. Das Vertrauen der Mitarbeiter in ihr Unternehmen ist ein entscheidender Faktor, welcher das Unternehmen davor bewahrt, unter der Last der Veränderungen zusammenzubrechen.
Kurios: Vertrauen und seine unterschiedlich kulturelle Prägung
Das Phänomen, dass Vertrauen und dessen Bedeutung und Manifestierung durch gesellschaftliche Werte, Normen und Rituale kanalisiert wird, bringen Lewicki und Buncker (1995) für Geschäftsbeziehungen auf den Punkt:
"Amerikaner tendieren dazu, Geschäftsbeziehungen als eine Reihe von kurzen Verabredungen zu konstruieren, während Geschäftsbeziehungen für Japaner einer Heirat gleichkommen".
